Ein schräger Tag – Un día fatal…

…das war einmal die Überschrift eines Textes in meinem Spanischbuch gewesen und mein Tag heute erinnerte mich daran.

Normalerweise hätte ich 7 Uhr aufstehen müssen (ja der Weg zur Uni ist laaang und ich muss 2 Stunden vor Seminarbeginn aufstehen). Als ich heute aufwachte, war es schon hell. Ich schaltete mein Handy ein und sah: Es war 8:15 Uhr. Und kaum war ich wieder mit der Außenwelt verbunden, überhäuften mich Nachrichten von Kommilitonen. Im Halbschlaf versuchte ich auf spanisch (!) und englisch (!) zu antworten.

Kurz überlegte ich, ob es sich jetzt noch lohnen würde zum Seminar zu gehen. Da es 9 Uhr beginnen und drei Stunden dauern würde, musste ich leider zu dem Schluss kommen: Ja, es lohnt sich. Also rollte ich mich aus meinem Nest und stiefelte eine halbe Stunde später mit Kaffee in der Hand zum Bahnhof.

Kurz nach 10 Uhr erreichte ich den Seminarraum. In dem Seminar geht es um Fotografie, sowohl Theorie als auch die praktische Umsetzung dessen. Der Dozent schien uns etwas über die Calotypie zu erklären. Das entnahm ich zumindest den Mitschriften meiner Erasmus-Freundin neben mir. Und das war auch so ziemlich das Einzige, was ich auf ihrem Blatt lesen konnte: Sie schrieb nämlich alles auf französisch mit. “Warum übersetzt sie das Spanische, was sie hört, in ihre Sprache? Ich schreibe doch auch auf spanisch hier!”, fluchte ich innerlich. Naja, nur dass meine spanischen Mitschriften einer eigenen Orthografie und Grammatik folgen, die bisher noch nicht erfunden wurde.

Nach 45 Minuten begannen alle im Raum aufzustehen und herumzuwuseln. “Was ist jetzt los?”, fragte ich. Louise, die Französin, erklärte mir, dass wir nun mit dem Dozenten in einen anderen Raum gehen und er uns dort die Hausaufgabe auf spanisch erklären würde. Der Rest des Seminars bleibe im Raum, da sie die Instruktionen auf katalan erhielten. Das ist dem Dozenten hoch anzurechnen, dass er an uns Erasmus-Leute dachte, da wir selbstverständlich kein katalan können. Die Frage ist nur, ob es wirklich notwendig ist, einen zweiten Dozenten für die katalanische Version anzuheuern…

Gemeinsam dackelten wir dem spanischen Dozenten hinterher: Franzosen, Amerikaner, Holländer, Deutsche. Wir stoppten im Flur, warum weiß ich nicht. Auf alle Fälle standen wir da eine Weile. Also nutzte ich diese Gelegenheit, um die Toilette aufzusuchen. Was dann passierte war filmreif: Ich stand im Flur…und niemand war noch da. Ich versuchte sie zu finden – ohne Erfolg natürlich. Dann versuchte ich einer Freundin zu schreiben, aber sie las die Nachricht nicht…hm…das ist ja ein erfolgreicher Tag für mich heute, dachte ich.

Ich erinnerte mich dunkel daran, dass sich beide Gruppen um 11:15 wieder treffen wollten, wusste aber nicht, wo.  Also lief ich bis zum ursprünglichen Seminarraum zurück und ja: Der Rest der Gruppe wurde gerade auf katalan unterrichtet. Ich wartete draußen. Es wurde 11:15, 11:20, 11:25…Hatte ich doch etwas falsch verstanden? Nein, um 11:30 strömten die spanischen Studenten aus dem Raum – Ja, Zeit ist hier halt relativ. –  Ich schloss mich der Gruppe an und folgte unauffällig (soweit das hier möglich ist). Das ist übrigens für einen Erasmusstudenten grundsätzlich das Motto: Einfach der Gruppe hinterher.

Am Ziel angekommen, traf ich die anderen Erasmus. Sie erklärten mir die Hausaufgaben:

  • 20 verschiedene Fotos selbst machen nach bestimmten Vorgaben (Foto überbelichtet, unterbelichtet, Hintergrund verschwommen und Objekt klar usw.). Und dann alles auf spanisch erklären.

Leider habe ich nicht so viel Ahnung von Fotografie, um nicht zu sagen, fast gar keine. Und dann versuche ich auch noch alles auf spanisch zu verstehen und zu lernen. Wenn ich etwas nicht verstehe, kann es mir höchstens von den anderen auf englisch erklärt werden. Nicht so einfach, aber ich werde es schon lernen:

Einfach schwimmen Dori. Einfach schwimmen, schwimmen, schwimmen…*

 

* “Findet Nemo”, Disney 2003.

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