Katalanische Identität – Identidad catalana

Ich habe schon darüber berichtet, welche Auswirkungen der katalanische Nationalstolz an der Uni haben kann. Nun dazu ein paar Hintergrundinformationen.

Struktur Spaniens

Spanien ist ein föderalistischer Staat, jedoch nicht zu vergleichen mit einer Bundesrepublik wie in Deutschland. Das Land  ist in 17 autonome Gemeinschaften aufgeteilt, die wiederum aus Provinzen bestehen. Die sogenannten “historisch autonomen Gemeinschaften” sind Galicien, das Baskenland und Katalonien. Diese Regionen kämpfen aufgrund ihrer Geschichte seit Jahren um ihre Unabhängigkeit von Spanien. Sie gehören zwar nach wie vor zu Spanien, haben aber teilweise andere Gesetzgebungen und Katalonien hat sogar eine eigene Polizei. Barcelona ist die Hauptstadt Kataloniens.

Geschichte

Im Mittelalter war Katalonien unabhängig aber es gab immer wieder Kriege und Auseinandersetzungen im Laufe der Zeit. Im spanischen Erbfolgekrieg verlor Katalonien schließlich am 11. September 1714 seine Unabhängigkeit und gehört seit dem zu Spanien. Deshalb gilt der 11. September als Nationalfeiertag Kataloniens. Viele Studenten tragen hier Revoluzzer-T-Shirts mit Prints: “11.09.1714” oder einfach nur “Independència” und das in den Farben der katalonischen Flagge.

Am 11. September war ich bereits hier und die gesamte Stadt war in ein rot-gelbes Meer aus Flaggen getüncht. Es war fast gruselig für mich als Deutsche, die solch einen Nationalismus überhaupt nicht kennt, Menschen mit erhobenen Fäusten zu sehen. Und alle schrien im Chor:

“Visca la independència” –  Es lebe die Unabhängigkeit.

Hier ein paar optische Eindrücke von dem Tag: Die spanische Flagge hat einen gelben Streifen in der Mitte mit einem Wappen links und einem roten Streifen oben und unten. Die katalanische Flagge hat ebenfalls diese Farben, besteht aber aus fünf gelben und vier roten Streifen. Durch den Kampf um die Unabhängigkeit ist später das blaue Dreieck mit dem Stern dazugekommen.

Dieser Tag ist also zugleich Nationalfeier und Demonstration in einem. Doch ehrlich gesagt lief es mir bei dem ganzen Flaggezeigen und den Schlachtrufen kalt den Rücken herunter. Noch dazu empfand ich die Rufe der Leute als sehr aggressiv: “Nieder mit Spanien, es lebe Katalonien!”

Hier ein Video, dass ich an jenem 11. September gemacht habe: Die Masse ruft: Es lebe die Unabhängigkeit.

 

 

Ley Wert

Wie schon in meiner Kolumne zu diesem Thema beschrieben, hat das Gesetz “Ley Wert” sehr für Aufruhr gesorgt. Es besagt, dass katalanische Bürger “spanisiert” werden sollen. Das heißt, der Katalan-Unterricht soll aus den Schulen und Universitäten verdrängt werden. Da  ist es kein Wunder, dass ich die Katalanen sofort angegriffen fühlen, wenn man sie darum bittet, castellano zu sprechen.

Eigentlich werden die Katalanen von Geburt an zweisprachig erzogen, denn Amtssprache ist sowohl katalan als auch castellano. Dennoch können viele, gerade junge Katalanen nicht fließend spanisch sprechen. Englisch können generell alle Spanier nur sehr schlecht. Demzufolge soll mit diesem Gesetz das Ziel verfolgt werden, allen Bürger besser die jeweiligen Sprachen zu lehren und somit die Katalanen mehr zu integrieren.

Der Gedanke mag gut gemeint sein, aber so funktioniert das nicht mit einer Kulturnation, die seit Jahrhunderten um ihre Existenz zu kämpfen hat. Warum ist es nicht möglich beide Sprachen, castellano und katalan, zu gleichen Teilen gut zu unterrichten und englisch als Fremdsprache? Warum wird nicht in eine bessere Bildung investiert, anstatt Gesetzte zu verabschieden, die hier eh keiner einhält und nur für Aufruhr sorgen?

Es gibt auch Katalanen, die sich mehr zu Spanien dazugehörig fühlen und nicht nach Unabhängigkeit schreien, doch ich habe sehr wenige mit dieser Meinung kennen gelernt.

Für mich als Nicht-Spanierin und Nicht-Katalanin ist das alles schwer nachzuvollziehen. Wie beschrieben gibt es zum Teil so schlechte Lehrer, dass ich mich frage, warum nicht eher dagegen etwas unternommen wird. Dieses Ganze “Wir kämpfen gemeinsam gegen Spanien” hat nur zur Folge, von den wirklich dringenden Problemen abzulenken: Der massiven Arbeitslosigkeit, der schlechten Wirtschaftslage und allem voran der Korruption!

Hier noch ein paar Fotos von den Protest-Graffitis an meiner Uni, der UAB:

 

 

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