Zurückkehren – Volver

Einmal blinzeln und schon ist ein halbes Jahr vorbei. Wo ist die Zeit geblieben? Zurück zu kehren ist immer mit großen Emotionen verbunden und  auch ich werde – geneigter Blogleser, verzeih! – nicht umhinkommen, mit etwas Pathos auf die vergangene Zeit zurück zu blicken.

In meinem letzten Monat wurde ich sowohl von Freunden aus Deutschland als auch aus Spanien gefragt: “Und, wie geht´s dir damit, dass du bald wieder zu Hause bist?” Auf diese Frage konnte ich erst in der letzten Woche meines Aufenthaltes antworten. Davor habe ich dieses “Zurückkehren” verdrängt.

Die letzten zwei Monate in Barcelona

Diese Zeit war tatsächlich die schwierigste Zeit, die ich während meines Aufenthaltes hatte: Prüfungsstress, das ewige Hin und Her im spanischen Uni-System, Wohnungschaos. Als sich diese Phase Ende Januar gelegt hatte, kamen die “vacaciones”, meine Ferien, die ich tatsächlich brauchte. Es fühlte sich nicht so an, als hätte ich nur noch einen Monat in dieser wunderbar chaotisch-schönen Stadt. Ich hatte noch so viel vor, wollte so vieles noch einmal sehen, über so vieles schreiben und mit sooo vielen Leuten ein letztes Mal zusammen sein.  Fast alles habe ich davon geschafft – außer zu schreiben.

Gerade der Februar war ein merkwürdiger Monat. Die meisten Erasmus-Studenten, die nur für ein Semester lang im Ausland waren, flogen bereits in den ersten Februarwochen zurück. Somit war ich schon ein wenig “verabschiedungsresistent” geworden. Ich selbst wollte auf keinen Fall eine Abschiedsparty geben, da ich mich von diesen Menschen aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt, mit denen ich die vergangenen sechs Monate verbracht hatte, nicht verabschieden wollte. Im Spanischen heißt es “Adios”, was eigentlich “Auf nimmer wieder sehen” heißt. Da gefällt mir meine deutsche Muttersprache besser, denn unser “Auf Wiedersehen” hat streng genommen keine solche Endgültigkeit. Deshalb sagten wir uns aus spanisch “Nos vemos” – Wir sehen uns.

In meiner letzten Woche lud ich an einem Dienstag alle Freunde, die noch so da waren, zu mir zum Essen ein. Es gab deutsche Kartoffelsuppe – mein Rezept dafür hatte ich erst in Barcelona kreiiert und immer wieder verfeinern können, da alle meine Suppe liebten. Es war ein ungezwungener Abend ohne Traurigkeit, denn ich musste mich nicht von allen auf einmal verabschieden. Die ersten aus der Runde waren meine Tandem -Partnerin Helena und ihre Freundin. Das sie beide Deutschland lieben und ich die spanische Kultur, werden wir uns auf jeden Fall irgendwann besuchen.

Zwei Tage später gab es wieder ein Essen, diesmal kochte Grace mexikanisch für eine kleinere Runde. Hier ist ein Video, wie sie die Zusammenstellung mexikanischer Tortillas erklärt:

Sie sagt, als Erstes nehme man die Tortilla (mexikanische Tortilla sind wesentlich kleiner als die Texmex-Tortillas) und fülle sie mit “Nopales”. Da ich mir den Namen die ganze Zeit nicht merken konnte, sagte sie, es sei wie Kaktus. Als Nächstes komme Fleisch hinzu, in dem Fall war es Schweinefleisch. Dazu könne man Guacamole essen oder Limone darauf träufeln. Außerdem gibt es noch eine spezielle mexikanische Soße, von der Sie sich ein bisschen in ihre Tortilla macht. Aber Vorsicht, die sei sehr scharf! zum Schluss heißt es nur “Buen provecho” und “Que aproveche” – Guten Appetit.

Der Tag der Abreise

Und dann kam schon der Samstag, der Tag der Abreise. Ich musste packen, alles aufräumen und sauber machen. Mein Flug ging jedoch erst am frühen Abend. Es war eigentlich ein ganz normaler Samstag: Angela war bis nachmittags im Bett, da sie feiern war. Stefan blieb bis kurz vor meiner Abreise im Schlafanzug, da er vorher Nachtschicht hatte. Die neuen italienischen Mitbewohner wuselten in der Wohnung herum und kochten Pasta (Klischee, ich weiß. Aber das taten sie wirklich!) Auch Inès kam noch einmal zu mir in die Wohnung,  um sich zu verabschieden. Es fühlte sich eher so an, als würde ich in die Ferien gehen, als mich tatsächlich zu verabschieden. Deshalb viel mir der Abschied auch nicht schwer, da ich irgendwie noch gar nicht begriffen hatte, dass es ein Abschied war. Erst, als ich im dunklen und wirklich sehr kalten Deutschland ankam, wurde mir klar: Ein halbes Jahr Barcelona ist vorbei.

Geneigter Blogleser, ich sagte, Pathos ließe sich nicht vermeiden. Deshalb hier Song aus dem gleichnamigen Film “Volver – Zurückkehren” von Almodóvar. Gesungen wurde das Lied von Estrella Morena, Penelope Cruz singt es für den Film Playback:

 

Adeu, ens veiem aviat! – ¡Adios, nos vemos pronto! – Auf Wiedersehen. Wir sehen uns bald!

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